Tierschutz im Speicherkoog

Hier meine Rede zum Antrag der AfD:

Allen Beteiligten ist klar, dass die Art und Weise, wie die Koniks im Naturschutzgebiet Wöhrdener Loch im Speicherkoog gehalten wurden und das Leid, dass die Tiere dort erfahren haben in keiner Weise akzeptabel sind. In keiner Weise.

Es darf nicht sein, dass Tiere dermaßen verwahrlosen. Es ist offensichtlich, dass die Tiere nicht ausreichend betreut wurden. Es darf nicht sein, dass sie verhungern, weil nicht zugefüttert wird. Es kann nicht sein, dass nicht zumindest eine mobile Fanganlage kurzfristig herangeschafft wird, um die Bestandsgröße vor Ort zu reduzieren.

Auch dem NABU dürfte mittlerweile klar sein, dass das, was dort geschehen ist, nicht vertretbar ist und dass man als Tierhalter eine Verantwortung dafür trägt, wie es den eigenen Tieren geht. Auch für den Naturschutzbund gelten die gleichen tierschutzrechtlichen Vorschriften, wie für alle anderen Tierhalter*innen in Schleswig-Holstein.

Richtigerweise wird im Zuge eines staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahrens jetzt aufgeklärt, welche Versäumnisse dazu geführt haben, dass die Tiere so verwahrlost und einige sogar gestorben sind.

Es muss selbstverständlich auch kritisch geprüft werden, ob das Kontrollsystem und die Zusammenarbeit zwischen den Behörden (LLUR, UNB, Kreisveterinärbehörde) funktioniert haben.

. Richtig Diskussionsbedarf hätten wir hier, wenn wir kein vernünftiges Tierschutzgesetz hätten, wenn wir keine funktionierenden Strukturen hätten, um derlei Verstöße zu verfolgen.

Möglicherweise gab es auch Versäumnisse und Defizite in der Kommunikation seitens der übrigen beteiligten Stellen. Das muss auch aufgeklärt werden. Es muss sichergestellt werden, dass sich ähnliches nicht wiederholt. Das Pflege- und Entwicklungskonzept für das NSG „Wöhrdener Loch/Speicherkoog Dithmarschen“ wird ebenfalls überprüft und angepasst.

An dieser Stelle möchte ich vor allem einmal denjenigen danken, die so kurzfristig bereit und in der Lage waren, die Tiere zu entnehmen und auf ihren Flächen aufzunehmen. Das zeigt, dass die naturnahe Weidehaltung und der Einsatz von beispielsweise Konikpferden als Landschaftspfleger in Schleswig-Holstein im Grundsatz ein Erfolgsmodell ist. Das zeigt, dass wir sehr gut funktionierende Strukturen haben.

Es entbehrt jedoch jeder Logik und Grundlage, jetzt eine Einstellung der Förderung von Naturschutzarbeit zu fordern, wenn gegen Tierschutzstandards verstoßen wurde. Die Tierhaltung im Wöhrdener Loch war für den NABU kein Erfolgsprojekt. Die naturschutzfachliche Arbeit hingegen ist unverzichtbar und wertvoll für unser Land.

Zahlreiche Projekte in den Bereichen Artenschutz Ökosystem- und Landschaftsschutz, Moorschutz und den Schutz der schleswig-holsteinischen Meere hat der Naturschutzbund in der Vergangenheit erfolgreich durchgeführt. Eine weitere Zusammenarbeit und die zukünftige finanzielle Förderung der Institution ist daher richtig und wichtig.

Ihren Antrag haben Sie nur gestellt, um hier pauschal den Naturschutz zu bashen. Da Ihre „Kernthemen“ in Zeiten der Corona Pandemie keinen Anklang in den Debatten finden, suchen Sie so politisch Aufmerksamkeit zu erhalten. Im Kern zeigen Sie mit diesem Antrag nur, dass Sie dem funktionierenden Rechtsstaat nicht trauen, dass Ihnen Tiere ein gerne genommenes Vehikel sind, um gegen Ihre Feindbilder zu hetzen und dass der Naturschutz für Sie keinen Wert hat – außer vielleicht, wenn Sie ihn für Heimatschutz-Debatten missbrauchen können. Damit treten Sie fachliches und ehrenamtliches Engagement mit Füßen.

Unser Land mit seiner einzigartigen Natur profitiert in besonderer Weise von der wertvollen Arbeit des NABUs und der anderen Naturschutzverbände. Solange wir politisch Verantwortung tragen, werden wir uns dafür einsetzen, sie in dieser Arbeit zu unterstützen und weiter zu stärken. Darauf können Sie sich verlassen.

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